04. Februar 2014

Für Dienstag, den 04. Februar 2014, haben wir uns den Besuch der Souks vorgenommen. Nach dem Frühstück treffen wir uns mit den Müllers in der Lobby und machen uns auf den Weg zur U-Bahn. Die Zonen-Ermittlung ist immer noch ein Problem, weshalb wir uns entschließen, die zweitteuerste Karte zu kaufen – kann ja kein Fehler sein. Wir wollen schließlich nur drei Stationen bis auf die andere Seite des Creeks fahren. Und bei umgerechnet irgendwas unter 2,00 € pro Ticket auch was, was grad noch ins Budget passt. Die Tickets muss man scannen, wenn man den Fahrbereich betritt und auch, wenn man ihn wieder verlässt. Beim Verlassen allerdings blinkt die digitale Anzeige rot und das Gerät piepst: der Sicherheitsfuzzy möchte mit uns reden. Na super! Wir haben doch das falsche Ticket gekauft. Und wir möchten uns bitte am Schalter melden. Na jetzt bin ich gespannt…, ob sie uns gleich verhaften oder wir nur kräftig nachzahlen dürfen. Die Mimik des Mannes am Ticketschalter ist eine Mischung aus Amüsiertheit und Ermahnen: Wir haben auf jeden Fall das falsche Ticket. Das geht so nicht! Und wir haben fast doppelt so viel bezahlt, wie wir hätten müssen. Das ist schlicht doof! Wollen die beiden Herren einfach mal nicht so sein und öffnen uns die Schranke per Knopfdruck. Sehr großzügig….

Im alten Stadtteil Deira machen wir uns auf die Suche nach den Souks. Wir laufen durch die engen Gassen und bestaunen die Auslagen. Zuerst finden wir einen Bereich, in dem tolle indische Kleider angeboten werden. Ein wenig später wird das Angebot von Tand und billigen Stoffen beherrscht, bis wir auf den Spice- den Gewürz-Souk stoßen. Sofort sind wir im Visier der Verkäufer, die als erstes versuchen herauszubekommen, woher wir kommen. Einer ist sich sicher, dass wir Russen sind. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das als Kompliment verstehen soll. Andere wiederum versuchen es mit auswendig gelernten Sprüchen: Backe backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen. Wolle Safran kaufen? Super Safran: macht den Kuchen gel… Ja nee, is klar. Auf jeden Fall haben die Jungs es drauf, sofort zu erkennen, dass man reagiert, wenn man die eigene Sprache hört. Auch dann, wenn man sich bemüht, nicht zu reagieren. Sobald wir zugeben, dass wir Deutsche sind, bekommen wir immer wieder erklärt, wo die Herren in Deutschland schon gewesen sind. Einer zeigt uns sogar ein Werbeschild seines ehemaligen deutschen Arbeitgebers: Aldi Süd! Solch ein Schild wirkt irgendwie fehl am Platz in einer orientalisch hergerichteten Umgebung wie hier im Souk. Auch wenn es in Kairo noch etwas orientalischer und stimmungsvoller war als hier.

Mit dem Gold-Souk sind wir relativ schnell durch. Irgendwie sind die Farben dort anders. Das Gelb-Gold ist gelber als bei uns, das Rot-Gold roter. Auf mich wirkt es irgendwie billig. Und die aufwendig hergestellten Schmuckstücke sind mir einfach too much. Mit manchen Kolliers könnte man Kleidungsstücke ersetzen…

Um wieder auf die andere Seite des Creeks zu kommen, wollen wir das Boot nehmen. Der Personentransport in der engeren Innenstadt über den vorderen Dubai Creek erfolgt mangels stadtnaher Brücken mit Abras, kleinen Holzbooten für bis zu ca. 20 Personen. Tagsüber legt alle paar Minuten ein Abra ab. Die Fahrt auf der flachen Nussschale dauert leider weniger als 10 Minuten und kostet 1 Dirham.

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In der Nähe des uns schon bekannten Restaurants gehen wir wieder an Land. Es ist früher Nachmittag und wir nutzen die Gelegenheit für ein kleines Mittagessen. Auf dem Weg zurück ins Hotel müssen wir wieder durch den Tücher-Souk.

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Einer Freundin habe ich versprochen, ihr ein Tuch als Souvenir mitzubringen, und auch ich würde wohl gerne eines haben. Und Herr Müller würde sich gerne den Spaß eines kleinen Handels geben. Aber welches Tuch möchte ich und von welchem der vielen Händler? Einer der Händler erregt die Aufmerksamkeit von Herrn Müller und er schiebt ihn in seinen Laden zurück; wir folgen. Der Verkäufer ist bemüht, Herrn Müller seine ganze Ware zu präsentieren, aber der will damit nichts zu tun haben. Als wir Frauen mit dem Aussuchen fertig sind, beginnt der eigentliche Spaß: Herr Müller und der Verkäufer feilschen um den Preis. Die Herren gehen in Stellung: Was ist dein bester Preis? Sag es mir gleich, dann sind wir uns schnell einig. Was ist Dir das Tuch wert? Super Ware: ganz weich. Super Paschmina, reines Kaschmir, keine Baumwolle. Beide nennen eine Zahl – beide lachen. Es geht um zwei Tücher, die wir kaufen wollen, aber manchmal verliere ich den Überblick, ob der gerade verhandelte Preis für ein Tuch sein soll, oder für beide. Was dann folgt ist eine reine Show, die Herr Müller super beherrscht. Er macht das toll! Die beiden Männer stehen sich gegenüber und verhandeln. Der eine geht etwas mit seinen Preisvorstellungen herunter, der andere etwas herauf. Der eine fühlt sich um seine Existenz gebracht, der andere will sich nicht über den Tisch ziehen lassen – aber die Chemie zwischen den beiden Männern stimmt. Bald kommt es zum ersten Körperkontakt: der Verkäufer fasst Herrn Müller am Arm, um eine Verbindung herzustellen. Herr Müller ist clever und entzieht sich dem. Bald werden Hände geschüttelt, die Männer klatschen sich ab. Und weiter geht das Verhandeln. Spätestens nach dem ersten Körperkontakt hätte ich schon die Nerven verloren und aufgegeben: entweder viel zu teuer gekauft oder ohne Ware den Laden verlassen. Die Geschichte hier verläuft anders: Nach vielem hin und her einigen sich die Männer, auch wenn der Verkäufer ein wenig weint und sich sicher ist, seine Familie mit diesem Geschäft nicht ernähren zu können. Klappern gehört halt zum Geschäft. Aber ich glaube, wir sind alle auf unsere Kosten gekommen: der Verkäufer hat verkauft, Herr Müller hatte Höllen-Spaß am Handeln und wir Frauen haben die Show genossen. Vielen Dank Herr Müller! Auch zuhause ist das Tuch gut angekommen.

Den späten Nachmittag verschlafen wir. Den Abend verbringen wir im Hardrock-Cafe Dubai bei Fingerfood und Livemusik.

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Wieder geht ein entspannter, unglaublich harmonischer Tag zu Ende. Auf der Terrasse genießen wir noch den Blick auf das beleuchtete Dubai. Wir reden nicht viel, aber ich glaube wir sind uns einig, dass es den Versuch wert war, mehr Zeit miteinander verbringen zu wollen.

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